|
Mein musikalischer Lebenslauf: Fritz Böttcher
Wenn ich jetzt hier sitze und mich oder die anderen frage, wie ich zur Musik gekommen bin, besonders zur Bluesmusik, so muss ich sagen, ich habe viel meinen Eltern zu verdanken. Nicht, dass sie Bluesmusiker oder gar schwarz gewesen wären, nicht, dass sie meinen ersten Wünschen nach einer Stereoanlage besonderen Vorschub geleistet hätten, sondern eher, dass sie mich gelehrt haben, schwere Kisten zu tragen. Nach dem Scheitern meiner Karrieren als Blockflötenspieler des Oerlinghauser Schulblockflötenkreises und Posaunist des Kirchenchores begann ich die Treppe des Erfolges mit einer schweren Akkordeonkiste zu erklimmen. Ich muss mit Daniel Kübelböck sagen, „die Leute ham puh gschrien!“ Auch das brachte mich dem Blues des amerikanischen Westens noch nicht näher. Eher schon die Phase der allgemeinen Auflehnung und der Kontakt mit meinem Punkerfreund Helms in Göttingen 1984, der mir im Zuge seiner musikalischen Reform seine ganze Sammlung John Lee Hooker Platten vermachte und damit die Begeisterung für die Kraft dieser Musik auslöste. Da ich zu faul zum Gitarrelernen war und überhaupt Mundharmonikas viel besser in kleine Taschen passten (ich war das Kofferschleppen nach den vier Jahren Akkordeonunterricht einfach leid) verschob sich die musikalische Priorität nur noch ein klein wenig nach Norden – nach Chicago. Die erste Versuchsband 1986 mit vier ambitioniert unfähigen Musikern, Röhrenradiostapeln überm Hühnerstall und einem Hahn auf der Stange endeten mit dem Ableben des letzteren und dem Wutausbruch seines Besitzers. Im Nachhinein muss ich (mit DK) sagen, dass die ersten echten Banderfahrungen in der legendären Bielefelder Marie Louise Haase Blues Band zwischen 1988 und 1994 einige Grundpfeiler der Zusammenarbeit mit 5 weiteren Musikern gesteckt haben:
- Erwarte nie, dass Musiker pünktlich sind!
- Erwarte nie, dass du irgendwann einmal Majo auf deine Pommes bekommst, wenn du von der Musik leben willst. Die einzigen, die verdienen sind Musikalienhändler, PA-Verleiher und Kneipenbesitzer.
- Erwarte nie, dass Gitarristen auf Kritik ihrer Lautstärke eingehen!
- Keine Frauen in der Band!
- Als Musiker ist es günstig, einen 5 Kg – Schein zu haben!
- Sieh zu, dass du bei Musikfestivals als erster dran bist, damit du immerhin noch das Catering abbekommst.
- Erwarte nie, dass es Groupies wirklich gibt!
- Erwarte nie, dass Können honoriert wird, die Show allein zählt!
-> Dann kannst du bei einem Konzert Spaß haben! So gestählt ergab sich nach dem Neuanfang in Paderborn mit Rolf, Chris und Achim im Frühling 1996 die einmalige Chance völlig unambitionierten Blues zu starten. Nach den legendären Wohnzimmererfahrung hat sich die Sache mit dem U.S.E.D. – Projekt inzwischen zu einer akzeptablen ostwestfälischen Variante des Blues entwickelt. Ich kann nicht viel, nur Blues, dann mach ich den halt, und zwar mit Inbrunst! Mit den Junx habe ich da durchaus vergleichbare Kollegen gefunden.
|